Enneagramm

Vergiss die Idee, Jemand zu werden – Du bist schon ein Meisterstück. Du kannst nicht verbessert werden. Du musst es nur erkennen. (Osho)

Das Enneagramm ist eine über 2000 Jahre alte Weisheitslehre, die neun unterschiedliche Persönlichkeitsstile und deren Beziehungsstrukturen beschreibt. Es ist eines der tiefgründigsten Modelle, mit denen man unterschiedliche Persönlichkeiten verstehen kann. Jeder der neun Typen kreist um ein emotionales und mentales Thema und hat einen unbewussten Fokus auf diese. Aus der jeweiligen Enneagramm-Struktur entwickeln sich die uns steuernden unbewussten Glaubenssätze, Denkmuster und Handlungsimpulse. Das alles zusammen prägt unseren Persönlichkeitsstil. Die Aufmerksamkeit geht selektiv in eine bestimmte Richtung und sorgt auf der anderen Seite dafür, sich all dessen nicht bewusst zu sein. Diese Kombination steuert, wie wir die Welt, andere Menschen und uns selbst wahrnehmen.

Je bewusster wir mit unseren eigenen Mustern umgehen, um so weiter wird unsere Wahrnehmung, und umso größer wird auch unser Verständnis für die Verhaltensweisen anderer. Wir verstehen nach und nach, in welcher Dynamik wir selbst in Beziehung zu diesen Strukturen stehen. Jede Enneagramm-Struktur hat sein eigenes Lebensthema, seine eigenen Ängste, ein bestimmtes Selbstbild, eine bestimmte Sehnsucht, spezielle „blinde Flecken“ und Vermeidungsstrategien. Und jeder Enneagrammtyp hat eigene Mechanismen, mit all diesen Mustern umzugehen.

Je mehr wir uns dessen bewusst werden, um so eher hören wir auf, uns im Kreis zu drehen und mit immer den gleichen Verhaltensweisen uns selbst im Weg zu stehen. Und wir fangen an, aus dem, was uns im Leben zu behindern scheint, Potentiale zu entwickeln.

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Verhaltensweisen können die Beschriftung von Türen sein, die in die Atmosphäre der jeweiligen Enneagramm-Struktur führen. Diese Beschriftung ist jedoch zweidimensional und erst durch das Öffnen der Tür und die Begehung und Erfassung des ganz individuellen Raums der betreffenden Person entsteht der gesamte persönliche Kontext. (Gabriela von Witzleben)

Das Enneagramm kann nicht ausschließlich aus Büchern erfasst werden. Es braucht alle drei Komponenten: Körper, Geist und Seele. Seine eigene Enneagramm-Struktur und letztlich auch die der anderen zu erfassen, bedarf einem Wechselspiel aus theoretischer Auseinandersetzung, Austausch mit Menschen, die sich ebenfalls damit befassen und einer bewussten Selbstbeobachtung im Alltag. Mit anderen Worten: Das Enneagramm muss erlebbar gemacht werden. Mit diesen Voraussetzungen ist die Enneagramm-Struktur eine wertvolle Ressource, die die Identität grundlegend unterstützen kann. Es gilt vor allem, darin zu wachsen und nicht, sich daraus zu lösen. Sich seiner Muster bewusst zu werden, sie anzunehmen und liebevoll mit ihnen zu sein, eröffnet uns die Möglichkeit einer Gelassenheit mit uns selbst, so dass aus „Stolpersteinen“ Potentiale werden können.