Vergiss die Idee, Jemand zu werden – Du bist schon ein Meisterstück. Du kannst nicht verbessert werden. Du musst es nur erkennen.
(Osho)

DAS ENNEAGRAMM
Das Enneagramm beschreibt neun unterschiedliche Persönlichkeitsstile. Jeder Mensch ist in einem der neun Stile „verankert“. Und jede Enneagramm-Struktur kreist um ein bestimmtes emotionales und mentales Thema, und hat gleichzeitig einen unbewussten Fokus auf diese. Unsere Glaubenssätze, Denkmuster und Handlungsimpulse ergeben sich also aus unserer jeweiligen Enneagramm-Struktur. Jede der neun Strukturen hat sein ganz eigenes Lebensthema und eigene Mechanismen, mit all diesen Mustern umzugehen. Das alles zusammen prägt unseren Persönlichkeitsstil und steuert, wie wir die Welt, andere Menschen und uns selbst wahrnehmen.
Das Enneagramm ist keine Methode, sondern Entwicklungschancen
Das Enneagramm ist sehr komplex und reicht von psychologischen Modellstrukturen bis hin zu fundierten und differenzierten spirituellen Aspekten. Setzen wir uns bewusst mit dem Enneagramm auseinander, liefert es komplexe und detaillierte Informationen zur bewussten Verbesserung der Selbstwahrnehmung, des Selbstverständnisses und der Selbstentwicklung. Je mehr wir über dieses uralte und sehr dynamische Modell wissen, um so besser können wir es für unser persönliches Wachstum nutzen.
Die eigene Enneagramm-Struktur ist vor allem durch eine wohlwollende bewusste Wahrnehmung unserer selbst in unseren Lebenssituationen erfahrbar, über das alltägliche Erleben an Körper, Geist und Seele. Wenn wir das Enneagramm bewusst als wertvolle Ressource nutzen und in unser Leben integrieren, kann es unsere Identität und unser inneres Wachstum grundlegend unterstützen.
Wir sind schnell dabei, uns zu kategorisieren, weil wir meist schnelle Antworten wollen. Das Enneagramm ist aber kein Schrank mit 9 Schubladen, sondern eine Landkarte, die uns eine Orientierung geben kann, genauer auf unsere innere „Landschaft“ (also unsere unbewussten Muster und Verhaltensweisen) zu schauen, um in ein inneres Wachstum zu gehen. Sie kann uns Aufschluss darüber geben, was hinter unseren Mustern steckt und welche Motivationen wir für bestimmte Verhaltensweisen haben. Eine aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Enneagramm-Struktur ist dann eine wertvolle Ressource, die die Identität grundlegend unterstützen kann. Es gilt vor allem, darin zu wachsen und nicht, sich daraus zu lösen.
Aufmerksamkeitsfokus der 9 Enneagramm-Stile
1
Die Aufmerksamkeit liegt auf der Frage, was ist hier richtig und was ist falsch. Die Ordnung der Dinge ist wichtig. Die 1 ist der/die Perfektionist*in unter den Enneagramm-Stilen, sie will die Dinge in Ordnung bringen. Mit ihrer Kritik auch an anderen strebt sie im Grunde nach Optimierung – in jeder Lebenssituation.
Ihr guter Wille wird oft verkannt hinter ihrer Kritik, denn sie ist innerlich wütend darauf, dass die Welt nicht perfekt ist. Ihre Wut erlaubt sie sich allerdings nicht, sie vermeidet Ärger, so dass sie oft wirkt, als sei sie von einem versteckten Groll getrieben. Sie ist selbst ihr größter Kritiker und ihr innerer Richter hat nie Feierabend.
2
Sie ist die/der Geber*in unter den Enneagramm-Stilen, sie will helfen, um sich selbst zu helfen. Die Aufmerksamkeit liegt darauf, was die anderen brauchen. Um Anerkennung zu erhalten, fokussiert sie sich auf die Bedürfnisse der anderen, und wenig auf die eigenen Bedürfnisse. Diese sind aber dennoch da, so entwickelt sich der Fokus auf die Bedürfnisse der anderen zu einem Umweg hin zu den eigenen Bedürfnissen.
Weil sich die 2 ihre eigenen Bedürfnisse weitestgehend verbietet, braucht sie diesen Umweg, um sie dennoch zu stillen. Die Frage für die 2 ist: wie kann ich dir helfen, damit mir selbst geholfen ist? Der zweite Teil der Frage bleibt oft unbewusst.
3
Der Aufmerksamkeitsfokus liegt auf guten Leistungen, Erfolg und Anerkennung. Der effizienteste und effektivste Weg zum Ziel wird fokussiert. Die 3 hat einen klaren Fokus auf Erfolg. Das müssen nicht zwangsläufig berufliche Themen sein, macht sich hier aber oft deutlich, denn sie hat eine große Anpassungsfähigkeit und ist Meister darin, sich anderen als erfolgreich zu präsentieren. Sie findet leichter und direkter als andere den „goldenen Weg“ zum Ziel.
Das führt allerdings oft dazu, dass ihre authentische Persönlichkeit nicht wahrgenommen werden kann, und man leicht den Eindruck hat, dass sie nicht „echt“ ist, oder dass man sie in ihrer Persönlichkeit nicht erkennt.
4
Bei der 4 liegt der Aufmerksamkeitsfokus auf dem was fehlt. Sie hat das Gefühl, anders zu sein als die anderen und etabliert das auch unbewusst.
Die 4 ist sensibel, kann tiefgehende Gespräche führen und lebt ihre Gefühle tiefgründig. Das kann manchmal etwas dramatisch wirken. Sie hat ein gutes Gespür für Ästhetik. Sie gestaltet ihren Lebensalltag als etwas besonderes und vermeidet Gewöhnlichkeit und Routine.
Dennoch hat sie aber eine große Sehnsucht nach dem, was und wie andere leben. In dieser Ambivalenz schaukelt sie gefühlsmäßig hin und her, oder auf und ab. Sie vergleicht sich innerlich mit anderen, obwohl sie nicht gleich sein will. Sie verspürt deshalb Neid auf andere (allerdings ohne Missgunst) und etabliert so wiederum das Gefühl, dass etwas fehlt.
5
Angst vor den Erwartungen und Anforderungen anderer steht bei der 5 im Aufmerksamkeitsfokus. Sie fühlt sich unter Menschen oft unsicher oder sogar subtil bedroht. Sie fragt sich unbewusst immer wieder, wie sie sparsam mit ihrer Energie haushalten kann und hat oft das Gefühl, davon nicht besonders viel zu haben.
Deshalb zieht sie sich gern zurück und schützt ihre Privatsphäre vor Beziehungs- oder Kontaktansprüchen. Sie wünscht sich, sich mit Wissen einen Überblick über ihre Lebenssituation zu gestalten, will „durchblicken“ und hofft, dass sie sich damit vor zu vielen Erwartungen schützen kann.
Emotionen empfindet sie eher als unberechenbar. So versucht sie, möglichst viel Wissen über ihre Themen anzusammeln, um das Gefühl der Bedrohung von der Außenwelt zu minimieren. Sie ist eine gute sachliche Beobachterin und Expertin in ihrem Bereich.
6
Die 6 fragt nach den Absichten der Anderen und stellt alles in Frage. Ihr Fokus liegt auf den Gefahren, die der Alltag, die Welt und das ganze Leben mit sich bringen könnte. Sie zweifelt im Grunde alles an und ist Meister im Hinterfragen. Sie ist scharfsinnig und stets wachsam für das, was schief gehen könnte. Ihre zweifelnden Gedanken machen es ihr oft schwer, eigene Entscheidungen zu treffen und in Aktion zu treten.
Ihr Fokus liegt auf möglichen Gefahren und der Suche nach Zuverlässigkeit. Um das zu gestalten und sich erst gar nicht in Gefahr zu begeben, ist sie loyal und vertrauenswürdig und vermeidet Fehlverhalten – sie verhält sich pflichtbewusst. Weil es ihr schwer fällt, Kontakt zu ihrem eigenen inneren Kompass aufzunehmen, versucht sie permanent, sich eine äußere Sicherheit zu bauen, und so ihre Sehnsucht nach Geborgenheit zu stillen.
7
Sie sind die Optimisten unter den Enneagramm-Stilen. Die 7 sieht stets das positive im Leben und richtet ihre Aufmerksamkeit auf die vielen Möglichkeiten, die das Leben bietet. Sie kann andere begeistern und sie mit ihrer Leichtigkeit anstecken. Die 7 macht gern Pläne, die nicht unbedingt in die Tat umgesetzt werden. Sie ist schnell in allem und oft „in der Zukunft“ unterwegs.
Sie investiert viel Zeit und Energie für neue Erfahrungen und vermeidet Limitierung, Schmerz und Kritik. Da Schmerz, Unsicherheit und Angst aber auch in der 7 vorhanden sind, kann es für sie sehr anstrengend werden, diese permanent zu unterdrücken. Sie überfordert dann nicht nur sich selbst, sondern auch andere durch ihren Aktionismus, sowohl verbal als auch in ihren Taten.
8
Der Aufmerksamkeitsstil der 8 ist auf Stärke, Kontrolle und Gerechtigkeit ausgerichtet. Sie vermeidet Schwäche und hat große Angst davor, sich verletzlich zu zeigen. Um sich zu schützen, ist sie in kritischen Situationen daher oft konfrontativ und kann sehr direkt sein.
Sie übernimmt gern die Verantwortung und Führung, wo es scheinbar kein anderer tut. Die Frage: „Was ist zu tun?“ steht im Vordergrund. Sie glaubt, sie müsste es „selbst tun“, damit es gut wird. Sie wirkt oft selbstbewusst, zuverlässig und sehr durchsetzungsstark, und hat ein enormes Durchhaltevermögen.
Sie will lustvoll leben und schnell handeln. Sie stellt sich gern schützend vor vermeintlich Schwächere und will die Welt zu einem gerechten Ort machen.
9
Der Fokus der 9 liegt auf Anpassung, Harmonie und Friedfertigkeit. Sie nimmt sich selbst nicht so wichtig und wirken oft ausgeglichen aber auch unfokussiert und träge. Sie akzeptiert alle Menschen und alle Standpunkte. Konflikte werden vermieden.
Es fällt ihr schwer, Prioritäten zu setzen, Entscheidungen zu treffen und einen eigenen Standpunkt zu vertreten. Sie kann urteilslos zuhören und ist deshalb sehr gut im Vermitteln und im Ausgleichen unterschiedlicher Meinungen.
Die 9 verschmelzt gern mit ihrem Gegenüber, und vergisst sich selbst darüber. In ihrem Inneren schlummert aber eine undefinierte eingeschlafene Wut darüber, sich nicht abgrenzen zu können. Ihre Autonomie kann sie dann oft nur über eine sehr stoische Sturheit vertreten.
Stärken und Entwicklungsthemen
1
spezifische Stärke: Sie hat ein Gespür für Optimierung und Ordnung und ist sehr zuverlässig.
Entwicklungsthema, blinder Fleck: Sie ist oft überkritisch und streng mit sich und anderen. Erlaubt sich und anderen keine Fehler, und vergisst darüber, dass „Fehler“ nicht unbedingt „falsch“ sind, sondern nur eine Erfahrung, die dem Wachstum dient.
2
spezifische Stärke: Sie spürt sehr genau, was andere Menschen brauchen, kann gut Beziehungen pflegen und Menschen in ihren Bedürfnissen unterstützen und ist sehr empathisch.
Entwicklungsthema, blinder Fleck: der 2 fällt es sehr schwer, ihre eigenen Bedürfnisse und sich selbst wahrzunehmen. Sie kompensiert das, indem sie sich um die Bedürfnisse der anderen kümmert. Weil sich die 2 ihre eigenen Bedürfnisse weitestgehend verbietet, braucht sie diesen Umweg, um sie dennoch zu stillen.
3
spezifische Stärke: Sie kann sich leicht jeder Situation neu anpassen, ist schnell, effizient und meist sehr eloquent. Die 3 kann gut erfolgversprechende Ziele identifizieren und einen Weg dorthin gestalten.
Entwicklungsthema, blinder Fleck: Die eigenen Emotionen werden oft nicht wahrgenommen und die eigenen Handlungen nicht reflektiert. Die 3 hat u.U. wenig Kontakt zu sich selbst und wirkt maskenhaft oder sogar unecht. Sie definiert sich sehr über Leistung und über das Außen und findet nur schwer den Weg nach innen zu ihrem Kern und ihrer Wahrhaftigkeit.
4
spezifische Stärke: Sie hat ein feines Gespür für Ästhetik und die Gestaltung von Schönem und kann aus Gewöhnlichkeit etwas Besonderes machen. Sie hat Charisma und ist sehr sensibel. Sie kann tiefe Gespräche führen, und in Projekten hat sie einen gute Blick dafür, was (noch) fehlt, um es „glänzen“ zu lassen.
Entwicklungsthema, blinder Fleck: Der 4 fehlt der Blick für Sachlichkeit und dafür, dass Gewohnheit und alltägliches zum Leben dazugehören und auch eine gewisse Stabilität geben.
5
spezifische Stärke: Die 5 ist Experten auf ihrem Wissensgebiet, sachlicher Beobachter und ruhiger, unabhängiger Minimalisten.
Entwicklungsthema, blinder Fleck: die 5 fühlt sich gegen die Welt nicht ausreichend gewappnet. Um das zu kompensieren, übernimmt sie manchmal eine Haltung teilnahmsloser Gleichgültigkeit oder intellektueller Arroganz. Sie kann dann sehr emotionslos wirken, was zur Folge hat, dass dies eine Distanz zwischen ihr und den anderen schafft.
6
spezifische Stärke: scharfsinnig, loyal, zuverlässig, pflichtbewusst. Sie kann sich gut in Teams einfügen. Hat einen Blick für das, was schief gehen könnte, prüft und durchdenkt, bevor sie ein Projekt startet.
Entwicklungsthema, blinder Fleck: Die 6 hat keinen Zugang zu ihrer eigenen inneren Autorität und Selbstsicherheit. Sie vertraut niemandem. Weil sie ihr eigenes Selbstvertrauen nicht spürt, fällt es ihr sehr schwer, zwischen Realität und Projektion zu unterscheiden. Ihr Versuch, sich eine Sicherheit im Außen aufzubauen, lässt sie oft paranoid erscheinen, weil sie dafür alles und jeden hinterfragen muss.
7
spezifische Stärke: energiegeladen, fantasiereich, voll von neuen Ideen, die 7 sieht in allem etwas Positives, hat einen Sinn für Faszination. Sie wird angezogen von allem Neuen und plant gern für die Zukunft.
Entwicklungsthema, blinder Fleck: Die 7 hält sich gern alle Optionen offen und engagiert sich für Stimulationen aller Art. Die „Jagd“ der 7 nach Vergnügen hat etwas Zwanghaftes. Sie fürchtet die Macht der negativen emotionalen Befindlichkeiten. Sie versucht, Trauer und Schmerz zu vermeiden, indem sie in ihrer äußeren Umgebung nach Ablenkung sucht und verschiedene Dinge gleichzeitig tut. Da schmerzhafte Emotionen aber zum Leben dazu gehören, kann ihre Strategie, sie zu vermeiden, einen Suchtcharakter annehmen und ins bodenlose gehen.
8
spezifische Stärke: Die 8 ist selbstbewusst, durchsetzungsstark und sehr zuverlässig. Sie ist schnell im Handeln, wo immer es nötig ist. Sie kämpft für Gerechtigkeit, ist bodenständig, „echt“ und klar.
Entwicklungsthema, blinder Fleck: Die 8 sieht oft nur ihre eigene Wahrheit, sie erkennt nicht, dass es zwischen „schwarz und weiß“ noch viele andere Farbschattierungen gibt. Das lässt sie in Konflikten und Kommunikation oft hart und unbarmherzig erscheinen. Ihre Tendenz, sich nach außen hin nur stark und niemals schwach zu zeigen, verwehrt ihr ihren eigenen Zugang zu ihrer Verletzlichkeit und somit zu ihrem eigenen Wohlwollen und ihrer Sanftmut.
9
spezifische Stärke: freundlich, Frieden schaffend, die 9 kann gut vermitteln und urteilslos zuhören. Sie schafft Harmonie und Ausgleich von Polaritäten.
Entwicklungsthema, blinder Fleck: Der 9 fällt es schwer, ihre eigene Meinung mit Klarheit zu vertreten. Daher vermeidet sie Konflikte, weil sie Disharmonie kaum aushält. Alles und jeden zu verstehen und in jeder Situation Harmonie zu schaffen, ist für die 9 Gabe und Fluch zugleich, denn sie vergisst sich selbst darüber. Sie verschmelzt mit ihrer Umwelt und hat dann keinen Zugang mehr zu ihren eigenen gesunden Grenzen.
Strategien persönlicher Entwicklung
1
Wenn die 1 die positiven Aspekte der Linie zur 4 nutzt → freie Kreativität ohne Richtlinien, Einzigartigkeit, Andersartigkeit in ihrer Tiefe erkennen und leben, dann erkennt sie, dass sie mit Wohlwollen auf ihre Unzulänglichkeiten schauen kann, und damit eine Gelassenheit und Entspannung in ihr Leben integrieren kann.
Wenn die 1 die positiven Aspekte der Linie zur 7 nutzt, dann hört sie auf, sich selbst zu maßregeln und zu kritisieren. Sie kann einen gelassenen Optimismus für sich und andere entwickeln. Sie geht von der Haltung der richterlichen moralischen Beurteilung von Menschen und Situationen weg, und hin in die Einsicht, dass „Fehler“ machen nicht heißt, dass etwas „falsch“ ist – es ist nur eine weitere Erfahrung.
2
Wenn die 2 die positiven Aspekte der Linie zur 8 erkennt, gewinnt sie an Selbstvertrauen und beginnt, sich mehr um ihre eigenen Interessen zu kümmern und klar für diese einzustehen. Die eigenen Bedürfnisse werden wahrgenommen und zugelassen. Sie nimmt dann ihren eigenen Selbstwert in den Blick, auch um unabhängiger von anderen agieren zu können.
Wenn die 2 die positiven Aspekte der Linie zur 4 integriert, beginnt sie, sich selbst und ihre schmerzhaften Gefühle zu spüren und zu reflektieren. Sie wird unabhängiger und auf eine in sich ruhende Art gütiger, haftet weniger an. Sie entwickelt ein Gespür für die Eigenen Grenzen, die dann integriert werden können. So kann sie dann auch die Grenzen der anderen besser spüren und akzeptieren und damit eine neue Offenheit für die Belange der anderen entwickeln, ohne sich für andere zu verbiegen.
3
Wenn die 3 die positiven Aspekte der Linie zur 9 nutzt, dann agiert sie ruhiger und geduldiger mit sich und ihrer Umwelt. Sie betrachtet das Leben dann weitaus entspannter und weiser, öffnet ihren Leistungs-Fokus und bekommt einen gelasseneren Blick auf das Leben.
Wenn die 3 die positiven Aspekte der Linie zur 6 integriert, dann wird sie aufrichtiger und achtsamer mit sich selbst und anderen. Sie ist loyal und kann sich unterordnen, das entlastet sie in wichtigen Aufgaben. Sie nimmt sich mehr Zeit für Freunde und Familie und lernt, verbindlicher im Privatleben zu sein. Das hilft ihr, in Kontakt mit ihren Gefühlen zu kommen. Sie wird authentischer und wahrhaftiger und findet mehr Kontakt zum eigenen Herz.
4
Wenn die 4 die positiven Aspekte der Linie zur 2 integriert, dann nimmt sie sich selbst weniger wichtig und ist in der Lage, sich mehr um die Bedürfnisse der anderen zu kümmern. Der Fokus auf das was fehlt, lockert sich und der Blick weitet sich für Bodenständigkeit und für eine neue Sensibilität anderen gegenüber.
Wenn die 4 die positiven Aspekte der 1 nutzt, dann gewinnt sie an Struktur und erkennt, dass Regeln oder Richtlinien auch eine Orientierung sein können, um sich im Leben weiter zu entwickeln. Sie entwickelt Selbstbeherrschung und kann mit ihrer Sensibilität zielgerichtet umgehen und sie in disziplinierte, geordnete Bahnen lenken. Sie sieht klar und präzise die Umstände, ohne sich von ihnen überwältigen zu lassen. Sie erkennt, dass es eine Bereicherung ist, wenn sie Gewöhnlichkeit in ihre gelebte „Andersartigkeit“ integriert.
5
Wenn die 5 die positiven Aspekte der Linie zur 7 nutzt, dann wird sie spontaner und kommunikativer, sie erlebt ihr Leben intensiver und fängt an, ihre Freundschaften und Kontakte zu genießen. Wenn sie immer wieder „übt“, sich mitten ins Leben zu begeben, eröffnet sich ihr eine neuer Zugang zum Leben. Sie erfährt, dass es eine nährende Kraft hat, wenn sie den Fokus vom Sachlichen auf Persönliches richten.
Wenn die 5 die positiven Aspekte der Linie zur 8 integriert, dann kommt sie besser in Kontakt mit ihrem Körper und kann seine Energie nutzen. Sie hat dann mehr Zugang zu ihren Gefühlen, macht sie sich zu eigen, und lernt so, sie nicht mehr als bedrohlich zu sehen. Sie bezieht klar Stellung und kommt ins Handeln. Auch die Einsicht, dass Emotionen zum Leben dazu gehören und es bereichern gibt der 5 eine neue lebendige Kraft.
6
Wenn die 6 die positiven Aspekte der Linie zur 3 nutzt, dann wird sie optimistischer und pragmatischer und kommt besser in ein konstruktives Handeln. Sie erkennt, dass sie durchaus davon profitieren kann, wenn sie ihrem Können vertraut und sich selbstbewusst damit in der Welt zeigt.
Wenn die 6 die positiven Aspekte der Linie zur 9 integriert, dann beginnt sie, mehr aus dem Bauch heraus zu handeln und ihre Autorität und Authentizität zu spüren. Ihr Körperbewusstsein verstärkt sich, indem sie auf ihre Sinneseindrücke achtet und so immer öfter aus ihren „Denk-Kreisläufen“ heraus treten kann. Sie wird ruhiger in sich selbst. Der Unterschied zwischen Realität und Projektion wird für sie deutlicher, sie gewinnt an Selbstvertrauen und kann somit auch das Vertrauen zu anderen etablieren.
7
Wenn die 7 die positiven Aspekte der Linie zur 1 etabliert, dann bringt sie mehr Struktur in ihre Gedanken, Arbeitsweisen und Pläne. Sie wird insgesamt verbindlicher, ist mehr geerdet und erkennt die Tugend im Innehalten. Sie ist dann in der Lage, ihren Aktionen Struktur zu geben und Dinge – auch über Durststecken – mit einem gesunden Maß an Disziplin zu einem guten Ende zu bringen.
Wenn die 7 die positiven Aspekte der Linie zur 5 integriert, dann kommt sie zur Ruhe und erkennt den Wert darin, sich auch mal zurück zu ziehen, um aus der nötigen Distanz zu entscheiden, ob eine vergnügliche Sache sich lohnt. Sie erkennt, dass Nüchternheit sie nicht auflöst, sondern bereichert. Im Rückzug beginnt sie, negative Erfahrungen zu akzeptieren und aus ihnen zu lernen. Integration von Schmerz und unangenehmen Gefühlen haben dann ihre Existenzberechtigung neben der Freude.
8
Wenn die 8 die positiven Aspekte der Linie zur 5 nutzt, dann ist sie in der Lage, Menschen und Situationen objektiv zu betrachten. Sie ist bedachter und überlegt erst, bevor sie redet oder handelt. Die Erkenntnis, dass die eigene Wahrheit nicht unbedingt die Wahrheit der anderen ist macht die 8 nahbarer und einsichtiger. Grautöne zwischen „schwarz und weiß“ zulassen gibt ihr eine neue andere Stärke.
Wenn die 8 die positiven Aspekte der Linie zur 2 integriert, dann wird sie weicher und kann ihre Verletzlichkeit besser zeigen. Sie ist dann in der Lage, sich anderen gegenüber zu öffnen und kann ihre Gefühle zeigen. Sie wird großmütiger, einfühlsamer, sanfter und warmherziger. Sie macht die Erfahrung, dass es eine Bereicherung für ihr Leben ist, wenn sie die eigene Verletzlichkeit zulässt und als „Stärke“ annimmt, weil sie damit lernen kann, sich für andere mit Wohlwollen zu öffnen, statt mit „Angriff“.
9
Wenn die 9 die positiven Aspekte der Linie zur 6 nutzt, dann wird sie offener, nutzt die Kraft der Gemeinschaft und nimmt Unterstützung an. Sie kann konstruktive Kritik äußern und die Dinge hinterfragen. Sie nimmt Konflikte an und traut sich, Reibungen auszuhalten und durch zu leben und wird so für andere sichtbar. Dadurch gewinnt sie die Einsicht, dass Harmonie die eigene Meinung nicht ausschließt. Das kann eine große Bereicherung für die 9 sein. Denn auch durch Differenzen entsteht Nähe zwischen Menschen.
Wenn die 9 die positiven Aspekte der Linie zur 3 integriert, dann nimmt die Tendenz für Ablenkungsmanöver und Untätigkeit ab, sie wird fokussierter und hat ein Ziel vor Augen. Sie nimmt die Zügel selbst in die Hand, ist entschlossener, tatkräftiger und pragmatischer. Sie kommt ins Handeln und erlebt die Kraft der beherzten Tat.
Grundlebensstrategien und die darunterliegende Kernmotivation
Grundlebensstrategie:
Unser Denken, Fühlen und Verhalten hängt von unserem Wahrnehmungsstil ab, hier haben wir eine mentale Fixierung auf die jeweiligen Themen jedes Typen. Daraus entwickeln wir die Grundlebensstategie, nach der wir handeln. Sie ist die Energie, die wir kreieren, um mit unserer Leidenschaft, also mit unserer Kernmotivation umgehen zu können.
Kernmotivation:
Unsere Kernmotivation beschreibt unsere emotionale Leidenschaft hinter unseren Handlungen. Sie wirkt wie eine Linse auf unsere Wahrnehmung und ist der (meist unbewusste) „Motor“ für unser Überleben.
Groll ist die Grundlebensstrategie der 1, denn tief in ihr befindet sich eine große Wut (Kernmotivation / Leidenschaft) darüber, dass die Welt nicht perfekt ist. Da aber wütend sein nicht in ihr Bild von Perfektionismus passt, muss sie diese Wut unterdrücken. So wird ihre unterdrückte Wut zu Groll.
Schmeichelei oder Gefälligkeit ist die Lebensstrategie der 2. Sie versucht dadurch ihren (falschen) Stolz zu kompensieren, dass sie sich aufopfernd um die Bedürfnisse der anderen kümmert und nicht um sich selbst. Da sie das aber unbewusst als Umweg zu ihren eigenen Bedürfnissen einsetzt, wirkt die Hilfsbereitschaft der 2 u.U. aufdringlich.
Die Grundlebensstrategie der 3 ist Eitelkeit. Ihre grundlegende Frage ist: wie wirke ich nach außen. Weil sie immer erfolgreich wirken will, und die Anerkennung von außen für ihr Selbstbild braucht, überspielt sie ihre scheinbaren Schwächen mit Täuschung oder Anpassung. Sie hat eine große Gabe, sich jeder Situation anzupassen, und vergisst darüber, wer sie im tiefsten Innern ihrer selbst wirklich ist, weil sie dadurch in vielen Situationen u.U. sich selbst täuscht, um unbewusst wiederum ihre Eitelkeit und den Hunger nach Anerkennung zu stillen.
Die 4 hat in ihrer Grundlebensstrategie eine große Melancholie und innere Schwermut. Sie fühlt sich anders, als andere, und lebt ihre Ungewöhnlichkeit auch aus. Ihre Kernmotivation ist der Neid auf andere, allerdings ohne Missgunst. Sie hat das Gefühl, dass ihr etwas fehlt, was andere haben. Damit bestätigt sie sich wiederum ihre Andersartigkeit, was ihre Melancholie und Schwermut dann wieder befüttert.
Die Grundlebensstrategie der 5 ist der (emotionale) Geiz. Die 5 begibt sich in einen gefühlsmäßigen und räumlichen Rückzug, da sie meint, nicht genug von allem zu haben. Ihre Kernmotivation ist die Habgier. Sie versucht über ihre Habgier das Gefühl, zu wenig emotionale Energie für das Leben zu haben, zu kompensieren, indem sie übermäßig sparsam im Austausch von Gefühlen in jeder Art von Beziehung ist. Da Gefühle sich aber nicht durch Sparsamkeit beleben, sondern erst im Austausch erweitern, versucht die 5 den Mangel wiederum mit Geiz auszugleichen.
Die Lebensstrategie der 6 ist der Zweifel. Über den Zweifel und das ständige Hinterfragen aller Lebenslagen versucht sie, ihre immer präsente Angst in den Griff zu kriegen, die ihre Kernmotivation, also ihre Leidenschaft ist. Der 6 fehlt das natürliche Urvertrauen in das Leben, daher strebt sie nach Sicherheit im Außen, und versucht darüber, dass sie alles anzweifelt, Sicherheit zu finden. So kommt sie nie zur Ruhe, was wiederum ihre Angst schürt, dass die Welt gefährlich ist.
Die Grundlebensstrategie der 7 ist Planung. Sie ist mental auf die Zukunft fixiert, um ihrem Schmerz, den sie genau wie jeder andere Mensch auch hat, auszuweichen und vor ihm zu flüchten. Ihre Kernmotivation und Leidenschaft ist die emotionale Unersättlichkeit und der Hunger und Fokus auf angenehme Möglichkeiten. Sie verspricht sich davon unbewusst ein Ausbleiben von Schmerz. Da der Schmerz aber zum Leben dazu gehört, muss sie – um ihn nicht zu spüren – ständig in der Zukunft „sein“ und feuert so ihre Unersättlichkeit noch an.
Die Grundlebensstrategie der 8 ist die Rache oder die Vergeltung. Sie hat große Angst davor, sich schwach zu zeigen oder sich machtlos zu fühlen, und lebt mit der oft unbewussten Überzeugung, dass sie immer stark sein muss, um zu überleben. Das lässt sie oft hemmungslos wirken, und führt dazu, dass sie im Kontakt mit anderen sehr direkt und konfrontativ sein kann, aber auch sehr klar. Von allen Ennea-Typen hat die 8 wahrscheinlich die meiste Energie, die sich darin zeigt, in allen Lebensbereichen (auch in der Askese) ins Exzessive und Extreme zu tendieren. Daher ist ihre Kernmotivation auch die Wollust oder die Lust. Auf diese Weise spürt sie am intensivsten das pulsierende Leben.
Die 9 hat große Angst vor Trennung und Konflikt. Um dies zu vermeiden, vergisst sie sich selbst und verschmelzt mit ihrer Umwelt. Die Grundlebensstrategie der 9 ist daher die Selbstvergessenheit. Dahinter steckt die Kernmotivation oder Leidenschaft Trägheit oder Bequemlichkeit. Diese kann sich in den verschiedensten Lebensbereichen äußern und muss nicht unbedingt in körperlichen Aspekten vorhanden sein. Die 9 wirkt friedlich und kann sich gut auf andere einstimmen. Wenn es aber darum geht, Stellung zu beziehen, kann sie sehr passiv oder sogar stur wirken. Das nimmt sie allerdings selbst u.U. gar nicht so wahr, denn in solchen Momenten hat sie sich schon wieder „selbst vergessen“.
Differenzierung der Attribute der drei Zentren in Stichpunkten
BAUCH:
Verantwortung, Gerechtigkeit, Raum, Autonomie, Handlung, Treffen von schnellen Entscheidungen, Kontrolle, Ordnung
HERZ:
Beziehungen, Empathie, Verbundenheit, Eigenwert über Image und Anerkennung, Konkurrenz, Leistung, Anpassungsfähigkeit
KOPF:
Logik, Sicherheit, Sachlichkeit, Orientierung, Überblick, Information, Hinterfragen, Verstehen, Planen
Die Subtypen
Die Subtypen beschreiben unsere Ur-Instinkte, die in jedem Ennea-Stil gesondert vorkommen und spezielle unterschiedliche Ausprägungen haben. Diese Instinkte sind unbewusst und gewährleisten ein gesundes Überleben.
Es gibt drei Ur-Instinkte in jedem Ennea-Stil. Genaugenommen haben wir also in der tieferen Ebene des Enneagramms mit den Subtypen (oder Untertypen) insgesamt 27 Persönlichkeitstypen. Denn zwei Menschen, die den gleichen Ennea-Stil haben, in denen aber zwei unterschiedlichen Subtypen dominant sind, können von Grund auf sehr unterschiedlich wirken und differenzieren sich u.U. in ihren Handlungs- und Kommunikationsausprägungen sehr von einander.
Mit dem Wissen über die Subtypen können wir also noch differenzierter auf das Modell der 9 Persönlichkeitstypen des Enneagramms schauen.
Wir können uns selbst genauer beobachten, um unsere Leidenschaft auf der energetischen Ebene aufzudecken. Und wir können bei uns und anderen eventuelle Ähnlichkeiten mit anderen Ennea-Typen überprüfen, um eine differenzierte Einschätzung geben zu können.
Die drei Ur-Instinkte sind folgendermaßen zu unterscheiden:
1. Selbsterhaltend:
bei diesem Subtyp geht es primär um die Sicherung des eigenen persönlichen Überlebens. Sie sind von dem Gefühl getrieben, dass sie allein für sich sorgen müssen. Die ständig mitschwingende Frage ist: Kann ich hier überleben? Die Themen dieses Subtyps kreisen um Nahrung, Hygiene, Wärme und Kälte, Glück, Bedürfnisse und die Versorgung mit allem, was man zum Leben braucht: genug Einkommen, ein Dach über dem Kopf, ein Heim und eine Familie als Absicherung für das Überleben. …
2. Sexuell / 1:1 Beziehungen (nicht ausschließlich Partnerschaft):
Diesem Subtyp geht es darum, von einer anderen wichtigen Person gesehen und wertgeschätzt zu werden. Die kreative Energie und Intensität speist sich für den sexuellen Subtyp aus der Unterstützung von und für eine wichtige andere Person. Der sexuelle Subtyp braucht einen Partner oder eine andere wichtige Person, an den sie sich jeder Zeit wenden kann. Durch die andere wichtige Person erfährt dieser Subtyp ihren Wert und ihre Identität.
3. Sozial:
Der soziale Subtyp kann seine Energie am besten in Gruppen entfalten. Er braucht die Zugehörigkeit zu einer oder mehreren Gruppen. (Vereine, Mitgliedschaften etc.) Hier kann er seine Fähigkeiten, ein Netzwerk zu stärken, ausleben und profitiert wiederum von der Gruppe für seinen Selbstwert, weil er Teil einer Gemeinschaft sein kann. Er hat die Fähigkeit, sich aktiv in Gruppen zu engagieren. In der Suche nach Gemeinschaft findet er Identität und Sicherheit.
Einer der drei Instinkte ist dominant in uns und prägt die Art, wie wir auf das Leben reagieren und mit dem Leben interagieren. Wir haben sie alle drei und sie wirken alle drei in uns, aber einer der Subtypen übernimmt in uns das Ruder, und die anderen beiden ordnen sich unter.
Unsere Sichtweise auf die Welt wird also stark von unserem Subtyp geprägt und beeinflusst unseren Kommunikationsstil, unseren Beziehungsstil und unsere Handlungsimpulse.
Da die Subtypen Ur-Instinkte sind, sind die Verhaltensweisen, die aus ihnen entspringen, sehr unbewusst. Sie „sorgen“ dafür, dass wir überleben können und springen an, wenn wir in Gefahr sind oder etwas schief läuft, um uns zu beschützen.
Je herausfordernder also eine Situation ist, je mehr wir in innerer Not sind und Emotionen wie Angst, Wut, Trauer oder Schmerz in uns aufkommen, um so eher agieren wir mit unserem dominanten Subtyp, der sich passend zu unserem Enneagramm-Stil dann nach außen hin zeigt.
Unterschiede der Subtypen am Beispiel der 7
Selbsterhaltend:
Sie fühlt sich wohl unter Menschen und Freunden, die die gleichen Träume haben, wie sie und sie auch in die Tat umsetzen. Sie umgibt sich mit Menschen, die einen ähnlichen Sinn für Vergnügen und Optimismus für das Leben haben wie sie. Die 7 hat positive Zukunftsvisionen, die sie mit ihrem Netzwerk oder ihrer Gruppe teilt. Die Gruppe hat allerdings für die selbsterhaltende 7 einen anderen Stellenwert, als für die soziale 7.
Die selbsterhaltende 7 kann sehr selbst-interessiert wirken (und das ist sie auch, sie orientiert sich an ihrer inneren Erfahrung und an dem, was sie braucht und was sie will) Sie findet Wege, ihr Vergnügen zu stillen, oder verschiedene Möglichkeiten im Leben zu finden, um zu bekommen, was sie braucht. Sie stimmt sich auf sich selbst und das was sie will ein, um ihre praktische Realität über kreative und optimistische Wege zu navigieren.
Die selbsterhaltende 7 ist sehr praktisch und pragmatisch. Sie ist fokussiert auf das, was getan werden muss und tut dies dann auch. Manchmal fehlt ihr Empathie für die Menschen um sie herum, sie wirkt dann etwas rigide. Weil sie so selbst-fokussiert ist, fehlt ihr dann der Blick darauf, was die anderen in der Situation brauchen.
Normalerweise hat sie ein Netzwerk von guten Kontakten, in dem sie sehr lebendig agiert. Sie weiß, wie man durch die praktischen Dinge des Lebens navigiert und nutzt ihr Netzwerk u.a. auch dafür, um ihre Überlebensangst zu dämpfen. Sie kann Dinge manifestieren für sich selbst und für Menschen in ihrem Umfeld. Im Gegensatz zum sozialen Subtyp, tut sie das aber in erster Linie, um ihr eigenes Leben zu sichern. (Hier gibt es Ähnlichkeiten zur 6).
Sexuell / 1:1:
Bei der sexuellen 7 spielt die Faszination und das Neue eine große Rolle. (Das ist generell ein Thema der 7, fällt aber bei der sexuellen 7 noch mehr ins Gewicht als bei den anderen beiden Subtypen). Das Neue reizt sie, weil sie die Phase der Entdeckung liebt. Sie ist unersättlich nach anregenden Zweierbeziehungen. Sie ist fasziniert von schönen und gleichgesinnten Menschen.
Der Austausch und das Mitteilen von Plänen und Gedanken erzeugt ein Gefühl von Nähe und Verbundenheit in ihnen. Andere Menschen und neue Impulse von Menschen lösen in der 7 eine große Anziehungskraft aus.
Sie ist eher idealistisch und verträumt, und lebt in ihrer Fantasie und ihren Ideen, wie schön und fantastisch die Welt sein könnte. Sie sieht die Welt wie jemand, der verliebt ist. Die sexuellen 7 vermeidet Schmerz und Angst, indem sie alles als so gut betrachtet, wie es möglicherweise sein könnte.
Sie schaut nicht so gern auf die alltägliche und gewöhnliche Realität. Stattdessen schaut sie gern auf eine intensive positive Vision davon, wie das Leben sein könnte. So kommt sie oft nicht in Kontakt mit der praktischen Realität des alltäglichen Lebens und den Dingen, die „getan werden müssen“ (auch wenn sie keinen Spaß machen).
Manchmal erscheint sie naiv oder als ob sie schnell zu Dingen zu verführen ist und übersieht u.U. auch Gefahren oder negative Aspekte im Leben, weil sie ausschließlich das Gute und Positive glauben will.
Sozial:
Die soziale 7 kann wahrscheinlich von allen drei Subtypen am besten Limitierung und Einschränkungen von Vergnügen zu Gunsten der Realisierung von Zukunftsträumen in Kauf nehmen. Sie kann die eigenen Ziele zurückstellen, wenn dadurch höhere Ziele erreicht werden können.
In sofern agiert sie – wenn auch unbewusst – eher gegen das Verhalten der Völlerei oder der Unersättlichkeit; was normalerweise eines ihrer „Haupt-Aushängeschilder“ ist. Die Unersättlichkeit der sozialen 7 zeigt sich dann eher darin, dass sie ein „guter Mensch“ sein will und alles daran setzt, eben als solcher wahrgenommen zu werden.
Sie agiert also tendenziell gegen ihr Interesse, es sich gut gehen zu lassen und ihre Zukunftspläne auf angenehme und individuell vergnügliche Weise zu realisieren. Ihr geht es in erster Linie darum jemand zu sein, der alle anderen glücklich macht und die Welt zu einem besseren Ort macht. (Hier gibt es Ähnlichkeiten zur 2). Allerdings speist sich dieses Verhalten nicht aus der Unterdrückung der eigenen Bedürfnisse (wie bei der 2), sondern ist vielmehr ein Umweg, um ihre Unersättlichkeit doch noch zu befriedigen.
Die soziale 7 kann viel Energie und Enthusiasmus in ihr soziales Netzwerk bringen, und die positiven Erfahrungen der Menschen um sie herum stärken. Ihr ist daran gelegen, Autoritäten auf eine Ebene mit sich selbst zu stellen, so dass keiner führt und niemand folgt. Damit bestätigt sie sich ihren unbewusster Slogan: „Ich bin okay, du bist okay“. Jeder soll jedem auf gleicher Ebene helfen und jeder soll in gleicher Weise eine „gute Zeit“ haben.
Unterschiede der Subtypen am Beispiel der 4
Selbsterhaltend:
Die selbsterhaltende 4 tut gern etwas waghalsiges, um ihre Traurigkeit und die Gewöhnlichkeit des Lebens nicht spüren zu müssen.
Paradoxerweise kann die selbsterhaltende 4 das grundlegende Bedürfnis nach Selbsterhaltung komplett ignorieren und boykottieren. Sie kann die Grundlagen von lebenserhaltenden Sicherheiten in dramatischen Aktionen zerstören. Vermögen werden angehäuft, dann verloren, und dann wieder angehäuft. Geliebte werden verführt, verstoßen und wieder zurückgeholt.
Sie kann alle Bedenken beiseite legen, wenn sie zwischen Hoffnung und Verzweiflung hängt und sich dem Schicksal auf theatralische Weise ausliefern. Um vor der langweiligen Routine des Lebens zu flüchten, begibt sich die selbsterhaltende 4 in Situationen am Rande des Abgrunds. So empfindet sie ihr Dasein als bedeutend und intensiv.
Die Sehnsucht nach Leid äußert sich bei der selbsterhaltenden 4 dadurch, dass sie ihr Leid wertschätzt, ohne sich zu beschweren. Sie arbeitet oft hart, prüft sich selbst, will stark wirken und will etwas erreichen. (Hier gibt es Ähnlichkeiten zur 3 oder zur 1)
Sexuell / 1:1:
Die sexuelle 4 ist in neidvoller Konkurrenz in ihren Zweierbeziehungen. Das verleiht ihr eine belebende Energie, die ihre Depressionen und Grübeleien über Verluste überwindet.
Ihr Konkurrenzverhalten geht in zwei Richtungen: Sie strebt nach Anerkennung, um ihren Wert zu steigern und hofiert Leute, die in ihren Augen von Wert sind. Gleichzeitig geht sie in Rivalität mit Menschen, die Anerkennung beanspruchen, welche die 4 selbst gern hätte. Irrtümlich glaubt sie, deshalb weniger wert zu sein. (Dieses Verhalten ähnelt manchmal der 6, wenn es um Autoritäten geht. Es speist sich allerdings nicht aus einem Sicherheitsdenken, wie bei der 6, sondern aus dem neidvollen Drang, ihren Wert zu steigern).
Die sexuelle 4 sucht nach Intensität. Sie verlagert ihr Leiden nach außen, das bedeutet, sie lebt nach dem Motto: „ich leide, weil die Welt mich nicht versteht“. Sie zeigt wesentlich mehr Wut, als die anderen zwei Subtypen, und ist eher geneigt, andere mit sich leiden zu lassen, manchmal fast schon in einem rasenden oder verrückten Habitus.
Sie vergleicht sich mehr mit anderen, fühlt sich anderen überlegen und sieht sich eher an der Spitze. Im Vergleich mit anderen will sie überprüfen, dass sie ein spezieller Charakter ist. Da sie das an der Außenwelt überprüft, kann ihr Vergleichsverhalten u.U. arrogant oder wütend wirken, wenn sie sich missverstanden fühlt. Sie hat keine Angst vor Konfrontation, da sie so ihr Mangelgefühl kompensieren kann. (Teilweise gibt es hier Ähnlichkeiten zur 8. Allerdings ist die 8 einfach nur sehr direkt und wirkt nicht theatralisch, da sie nicht von einem grundständigen „Leiden an der Welt“ getrieben ist, sondern von einem grundständigen Verantwortungsgefühl).
Sozial:
Die soziale 4 vergleicht sich mit anderen in der Gruppe. Sie will Teil der Gruppe sein, und hat gleichzeitig das permanente Gefühl, nicht dazuzugehören. Sie kann ein großes Schamgefühl entwickeln, wenn sie sich minderwertig fühlt, und neben der Scham kommt Neid in ihr auf (allerdings ohne Missgunst), weil sie oft das Gefühl hat, den Maßstäben nicht gerecht zu werden. Sie verspürt einen dauernden Mangel, der sie vermeintlich vor anderen unzulänglich macht.
Sie hat Angst vor Ablehnung und vor der Entdeckung eines schicksalhaften Makels, und kompensiert diese Angst oft mit unterschiedlich auffälligem Verhalten in der Gruppe: mal charismatisch, mal kritisch gegenüber der Leitung der Gruppe, und mal sensibel-emotional. Unter Umständen schützt sie sich auch selbst, indem sie sich arrogant verhält und so ihr Image steigert.
Die soziale 4 geht auf „ethische Halbdistanz“, indem sie energetisch aussendet, dass man ihr nicht zu nah kommen soll, um ihren Makel nicht zu sehen, weil sie sich dafür schämt; und auf der anderen Seite signalisiert sie, dass sie niemanden zurückweisen möchte, aus Angst verlassen zu werden.
Sie empfindet innerlich eine starke Überzeugung, dass sie nicht genügt und fühlt sich über ihr Leid mit sich selbst verbunden. Sie zeigt ihre Melancholie offen und kann auch gern mal „darauf herumreiten“ und viel darüber reden. Das ist u.U. ihr Weg, Menschen für sich zu gewinnen und Liebe zu erhalten.
Ähnlichkeiten und Unterschiede am Beispiel 3 und 7
3er und 7er können beide sehr erfolgreich sein. Die 7 ist erfolgreich, weil es Spaß macht. Wenn es der 7 keinen Spaß mehr macht, bzw. wenn es langweilig wird, wendet sie sich einem neuen Thema zu, auch wenn das alte u.U. noch nicht abgeschlossen ist. Die 3 hingegen geht gern fokussiert auf ihr Ziel zu, hier geht es nicht in erster Linie um Spaß, sondern um ihr Image, ihre Anerkennung und darum, das Ziel zu erreichen.
3er und 7er können beide sehr schnell agieren, zukunftsorientiert handeln, eloquent und effektiv sein. Die 3 ist es, um erfolgreich zu sein, zum Ziel zu kommen und Anerkennung zu gewinnen. Die 7 ist es, weil sie fasziniert ist von neuen Dingen und Situationen, und grundständig optimistisch durch das Leben geht.
Beide können aus vermeintlich negativen Situationen das Beste herausholen. Die 7, weil sie das Positive im Leben fokussiert, die 3, weil sie erfolgreich sein will und zum Ziel kommen will, und dadurch einen Blick dafür hat, wo der „Weg“ weiter gehen könnte.
Ähnlichkeiten und Unterschiede am Beispiel 2 und 8
Beide EN-Stile helfen gern und übernehmen gern die Verantwortung dort, wo es kein anderer tut. Die 2 hilft eher, indem sie „den Raum hält“, da ist für den anderen und zuhört, sie hat ein feines Gespür für das, was der andere braucht, weil sie es braucht, gebraucht zu werden. Hier kann es ihr passieren, dass ihre Hilfe für den anderen zu viel ist, weil ihre eigene Bedürftigkeit dort mit hinein schwingt, ohne dass es ihr bewusst ist.
Die 8 hilft eher mit Taten. Es geht ihr um Kontrolle (auch im positiven Sinn) und darum, die Welt zu einem gerechten Ort zu machen. Es kann ihr leicht passieren, dass ihre Hilfe als Übergriffigkeit aufgenommen wird, da ihre Hilfe aus der Motivation des „was ist zu tun“ kommt, und nicht in erster Linie aus der Motivation, mit dem anderen in Beziehung treten zu wollen.
Ähnlichkeiten und Unterschiede am Beispiel 1 und 6
Beide EN-Stile sind loyal und zuverlässig. Die 1, weil „man es so macht“ und alles seine (moralische) Ordnung haben muss. Die 6, um sicher zu gehen, dass sie nicht in Gefahr kommt, und weil sie „ihre Pflicht“ tut, denn es fällt ihr schwer, selbst für sich zu entscheiden.
Beide vermeiden Fehlverhalten. Bei der 1 geht es um richtig und falsch, und darum, dass alles seine Ordnung haben muss. Bei der 6 geht es um Vermeidung von Gefahr: wenn sie keine Fehler macht, kann ihr nichts passieren.
Die Theorie der „Hidden Lines“ und wie sich dies in der Praxis auswirkt
Die „Hidden lines“ sind die unsichtbaren Entwicklungs-Linien zwischen 4 und 7 und zwischen 2 und 5. Mit diesen Linien entstehen zwei weitere Dreiecke zusätzlich zum Dreieck 3 – 6 – 9: nämlich das Dreieck 1 – 4 – 7, und das Dreieck 2 – 5 – 8.
Im herkömmlichen Enneagramm-Symbol gibt es keine Verbindungslinie zwischen 2 und 5 und zwischen 4 und 7. Die „Hidden Lines“ schaffen genau diese fehlende Verbindung. Das wirkt sich folgendermaßen auf die Praxis aus:
Im Enneagramm gibt es systematisch angeordnete Entwicklungs-Linien zwischen den Enneagramm-Typen. Zunächst gibt es das Dreieck, welches 3, 6 und 9 über die Linien verbindet. Die 3 ist im Herzzentrum, die 6 im Kopfzentrum und die 9 im Bauchzentrum zu Hause. So haben alle drei über die Entwicklungs-Linien einen Zugang zu den jeweils anderen 2 Energiezentren.
Die Enneagramm-Typen 1, 2, 4, 5, 7 und 8 sind über ein Sechseck in folgender Anordnung mit Entwicklungs-Linien verbunden: 1 – 4 – 2 – 8 – 5 – 7 und dann zurück zur 1.
Die Ennea-Typen 1 und 8 haben – genau wie 3, 6 und 9 mit ihrem Dreieck – eine Entwicklungs-Linie in das jeweils andere Zentrum, also Kopf, Herz oder Bauch. Die 1 z.B., die im Bauchzentrum zu Hause ist, hat eine Linie zur 4 und eine Linie zur 7. die 4 befindet sich im Herzzentrum, die 7 im Kopfzentrum. Es gibt also für die 1 eine Verbindung über die Linien in die anderen zwei Zentren. Ebenso für die 8 (Bauch), die über ihre Entwicklungs-Linien mit der 2 (Herz) und der 5 (Kopf) verbunden ist.
2, 4, 5 und 7 haben in der Enneagramm-Symbolik zwar auch jeweils zwei Entwicklungs-Linien, davon geht aber nur eine in ein anderes Energiezentrum und die zweite Linie hat ihre Verbindung zu einem Ennea-Typ im eigenen Zentrum. So entsteht eine „Lücke“ zwischen den Energiezentren zwischen 4 und 7, und zwischen 2 und 5. Diese „Lücke“ wird mit den sogenannten „Hidden Lines“ ausgeglichen.
Die 2 z.B., die im Herzzentrum zu Hause ist, hat eine Linie zur 8 im Bauchzentrum und eine Linie zur 4. Da die 4 aber ebenfalls im Herzzentrum verortet ist, fehlt der 2 die Verbindungslinie in das Kopfzentrum. Ebenso ist es jeweils bei der 4, 5 und 7.
Diesen vier Ennea-Typen fehlt eine Entwicklungs-Linie zu einem Energiezentrum. Die „Hidden Lines“ sind die unsichtbaren Linien zu den fehlenden Zentren. Dh. Die „Hidden Line“ zwischen 4 und 7 schafft eine Verbindung für diese beiden Ennea-Typen zwischen Herz- und Kopfzentrum, und die „Hidden Line“ zwischen 2 und 5 ebenso.
Wachstumschancen der Hidden Lines
Die 4 kann über die „Hidden Line“ zur 7 mehr Leichtigkeit erfahren, und feststellen, dass auch darin eine Tiefe gelebt werden kann.
Die 7 kann über die „Hidden Line“ zur 4 in Kontakt mit ihrem Schmerz gehen und so erfahren, dass es auch ein Gewinn sein kann, den Schmerz zu spüren, um dann aus ihm herauszuwachsen.
Die 2 kann über die „Hidden Line“ zur 5 mehr Sachlichkeit in ihr Leben integrieren, und hat so die Chance, ihre Schmeichelei und Anhaftung an die Bedürfnisse anderer in echte Anteilnahme umzuwandeln.
Die 5 kann über die „Hidden Line“ zur 2 ihre Emotionalität mehr spüren und sich über diesen Weg mehr Zugang zu lebendigem Austausch mit anderen verschaffen und die eigenen Gefühlswelt entdecken.
Beide „Hidden Lines“, die zwischen 2 und 5, und die zwischen 4 und 7 können den jeweiligen Ennea-Typen helfen, ihre „hidden“ – also verborgenen und versteckten Seiten zu entdecken, um sie zu integrieren.
Höhere Aspekte: Tugenden und heilige Ideen
Höhere Aspekte:
Mit den höheren Aspekten im Enneagramm ist die persönliche Weiterentwicklung und das empfängliche Bewusstsein gemeint, die über die psychologischen und charakterlichen Blickwinkel des Persönlichkeitsmodells hinaus geht. Sie beschäftigen sich mit den spirituellen Entwicklungschancen, die das Modell des Enneagramm bietet:
Die spirituelle Dimension des Enneagramm gibt eine umfangreiche Unterstützung für die Transformation der Persönlichkeit, in dem sie uns Wege aufweist, auf denen wir über unsere Persönlichkeitsstruktur hinaus wachsen können, und so mit uns selbst und mit anderen wohlwollender, mitfühlender und weiser werden. Die spirituelle Dimension des Enneagramm unterstützt uns darin, uns von unserer Ego-Struktur zu lösen.
Da es für jeden Ennea-Stil unterschiedliche, individuelle Fixierungen gibt, ergeben sich auch bei den höheren Aspekten für jeden Ennea-Typ andere differenzierte Themen, auf die ich weiter unten am Beispiel der 3 und der 1 eingehen werde.
Tugenden:
Die Tugenden sind die wegweisenden Eigenschaften hin zu den heiligen Ideen, oder das, was die heiligen Ideen ausmacht. Man nennt die Tugenden auch heilige Wege, denn sie sind für die jeweiligen Ennea-Typen der Pfad, der ein Wachstum über die Persönlichkeitsstruktur hinaus möglich macht.
Heilige Ideen:
Die heilige Idee kann die impulsgebende Kraft dafür sein, über sich selbst hinauszuwachsen. Sie weist über das Ego hinaus und in die jeweilige Tugend hinein, die jeder Ennea-Stil als Potential oder Diamant in sich birgt.
Verhältnis zu den Fixierungen:
Zu jeder Fixierung gehört eine heilige Idee. In der Regel wird der Kern der heiligen Idee durch die Fixierung verdeckt. Unsere Fixierung wird von unserem Ego geführt und ausgelebt und tut in der Regel – wenn wir nicht bereit sind, uns selbst zu reflektieren – alles dafür, den heiligen Weg zu verkennen um die heilige Idee, die wir in uns tragen zu vertuschen. Dies passiert, weil wir große Angst davor haben, uns selbst zu erkennen, denn das bedeutet den „Tod“ für unser Ego.
Erkennt man (nicht über den Verstand oder das Ego, sondern über ein tiefes inneres Wissen → Erkenntnis) in sich die heilige Idee, kann die Fixierung über den heiligen Weg, also die Tugend aufgelöst und das unbewusste Festhalten daran transformiert und als Ressource integriert werden.
Das Verhältnis der höheren Aspekte zu den Fixierungen am Beispiel 3 und 1
Die heilige Idee der 3 ist die Hoffnung oder auch das Mitgefühl. Dies beinhaltet eine zuversichtliche innere Ausrichtung darauf, dass alles gutgehen wird. Diese Ausrichtung und Zuversicht kann nur durch tiefes Mitgefühl leben. Denn dann erst entsteht ein Unterschied zwischen innerer Hoffnung und einer Erwartung nach außen.
Hoffnung bedeutet hier, alle Erwartungen aufzugeben, und zu vertrauen, dass etwas Gutes geschehen wird, und das es das beste sein wird, selbst wenn es sich zunächst nicht so zeigt. Die Hoffnung, die hier gemeint ist, ist tief im Herzen verankert und beinhaltet über das Mitgefühl die Tugend oder den heiligen Weg der 3: die Wahrhaftigkeit.
Wahrhaftigkeit ist eine innere Haltung, die das Streben nach Wahrheit beinhaltet. Diese Wahrheit lässt sich aber ebenso wenig mit dem Verstand oder über das Ego erfassen. Wahrhaftigkeit kommt aus der tiefen Erkenntnis, wer ich bin – und zwar ganz unabhängig von allem, was mir das Außen darüber mitteilt. Wahrhaftigkeit bedeutet also die Bereitschaft, die (Selbst-)Täuschung aufzudecken und aufzugeben.
Da die 3 im unerlösten Zustand auf das Außen fixiert ist, kann sie auf dem Weg über mehr Wahrhaftigkeit zu oben beschriebener Hoffnung gelangen, und so mehr und mehr Erlösung vom Ego erfahren, indem sie ihre heiligen Aspekte integriert.
So kann also die 3 durch ihre in ihrem Enneagramm-Typ enthaltene Tugend, also über den heiligen Weg der Wahrhaftigkeit, zu tiefer innerer Hoffnung in ihrem Herzen gelangen. Hier fängt sie an, sich selbst „wahrhaft“ wahrzunehmen, so dass sie ihre Fixierung, nämlich ihre Eitelkeit, erkennen und transformieren kann. Je wahrhaftiger und mitfühlender sie mit sich und anderen wird, desto mehr kann sie ihr Herz für sich und andere öffnen und die (Selbst-)Täuschung und ihren Hunger nach Anerkennung von Außen aufgeben.
Die heilige Idee der 1 ist die Perfektion. In wahrer Perfektion ist alles inbegriffen, selbst das Unperfekte. Perfektion bedeutet hier, die Dinge so zu sehen, wie sie sind – ohne Urteil. Erst das Urteil macht die Dinge zu nicht perfekten Dingen, weil sie darüber zur Unvollkommenheit verdammt werden. Ohne Urteil gibt es keine Unvollkommenheit, und somit auch nichts, was nicht perfekt wäre.
Die 1 unterliegt dem Irrtum, dass Perfektion bedeutet, dass es richtig sein muss. Aber was richtig und was falsch ist entscheidet ihr Ego. Wenn die 1 mit erwachtem Blick auf die Dinge schaut, also sich von ihrer Fixierung, dem Groll gelöst hat, dann erkennt sie, dass Perfektion nichts mit „richtig“ oder „falsch“ zu tun hat.
Da die 1 unbewusst aber ständig und alles be- oder verurteilt, und alles in richtig und falsch aufteilt, eben weil sie sich die Welt perfekt wünscht, verkennt sie die wahre Bedeutung von Perfektion.
Die wahre Bedeutung von Perfektion kann die 1 erst über ihren heiligen Weg, also über ihre Tugend erfahren: die heitere Gelassenheit. Indem sie ihre moralischen Konzepte und ihre Fixierung – den Groll darüber, dass die Welt nicht perfekt ist – aufgibt, begibt sie sich auf den Weg in die heitere Gelassenheit.
Wenn die 1 bereit ist, nicht recht zu haben und alles Denken in Konzepten aufzugeben, dann erfährt sie heitere Gelassenheit. Und Gelassenheit heißt nichts anderes, als die Dinge so zu sehen, wie sie sind – die Dinge also unvoreingenommen so zu „lassen“, wie sie sind. In dieser Gelassenheit erst kann sie die Erfahrung von wahrer Perfektion machen, denn ohne Groll und ohne Urteil sieht sie das Perfekte im Unperfekten.
Fazit
Das Enneagramm funktioniert ähnlich wie eine Landkarte, die uns eine Orientierung gibt, während wir durch die Landschaft unseres Lebens wandern. In dem Bewusstsein, dass das Enneagramm eine Karte ist, die uns hilft, wenn wir die „Landschaft“ nicht mehr erkennen und uns „verlaufen“ haben, kann es eine unglaubliche Bereicherung sein. Wir nehmen die Landkarte mit auf unsere Reise in unsere „Lebens-Landschaften“.
Das Enneagramm ist vor allem über das alltägliche Erleben erfahrbar. Die Landkarte allein reicht nicht aus, um die Landschaft zu erkunden. Die aktive Auseinandersetzung mit der eigenen Enneagramm-Struktur im Alltag ist eine wertvolle Ressource, die unsere Identität grundlegend unterstützen kann.
Wir können unsere eigenen Unzulänglichkeiten und die der anderen wohlwollend und ohne Urteil annehmen, so dass sich Muster, die uns im Leben u.U. „behindern“, zu Potentialen wandeln können. Es gilt vor allem, darin zu wachsen und nicht, sich daraus zu lösen. Die innere Auseinandersetzung mit dem Enneagramm eröffnet einen erweiterten Bewegungsspielraum hin zu mehr innerem Wachstum.
Ines Otto