Manifestation und Bewegung

Manifestation und Bewegung

22.8.2020

Alles was wir meinen zu wissen, setzen wir in einen bestimmte Raum und manifestieren es dort. So wird unsere „Wahrheit“ oft statisch und bewegt sich nicht weiter, kann nicht wachsen. Wenn wir neugierig wie Kinder, eine innere Haltung einnehmen, in der wir nichts und alles wissen, dann öffnet sich der Raum.

In unserem Körper ist die uns schon immer inne wohnende Weisheit, dass alles in Bewegung ist. In unserem Körper ist die Wahrnehmung des Lebens und der Welt in ihrer Gesamtheit gespeichert. Der Verstand setzt im Laufe unserer Sozialisation fast jede Wahrnehmung, jede Erfahrung in diesen eingangs beschriebenen Raum der Manifestation. In diesem Raum hört die Bewegung auf. Dieser Raum ist unser Archiv, das versucht, das Chaos und die Bewegung zu manifestieren. Dieser Raum teilt die Gesamtheit des Lebens in kleine abgespaltene Partikel. Der Verstand versucht in den meisten Fällen, das Leben festzuhalten und zu konservieren. Und das tut er sehr unbewusst und zugleich sehr dominant.

Der Kopf ist ein schlechter Herrscher, aber ein guter Diener. (Zen Weisheit)

Wenn wir dem Verstand seiner wahren Aufgabe zuführen, wird er uns nützen und uns in Bewegung bringen. Wir brauchen ihn und es macht Spaß, ihn zu benutzen – Wenn er offen bleibt und neugierig, und nicht die Herrschaft übernimmt, sondern uns dient. (Unserer Seele und unserem Herzen). Dann sehen wir was ist! Wir hören auf zu bewerten, zu beurteilen oder zu verurteilen. Und dann kann sich die jeweilige Situation zu mir hinwenden. Dann werden wir präsent. Dann spüren wir uns in Gegenwärtigkeit und sind nicht mehr in der Zukunft oder in der Vergangenheit unterwegs.

Nur der Verstand bedient sich an der Zukunft und der Vergangenheit – und hält uns aus der Gegenwart zurück. Weder Körper noch Seele sind dazu in der Lage. Der Körper lügt nicht und betrügt sich nicht selbst. Die Seele auch nicht. Das Ego macht sich den Verstand zu eigen, weil der Verstand am ehesten zu beeinflussen ist.

In dem Moment, wo wir an einem Gedanken festhalten, wird er unsere Religion, und wir versuchen ständig zu beweisen, dass er gültig ist. Je mehr wir die Wahrheit dessen zu beweisen versuchen, was wir nicht wissen können, desto stärker empfinden wir Depression und Enttäuschung. (Byron Katie)

Wenn wir etwas im Außen „tun“, ohne es innerlich zu spüren, dann wollen wir etwas bestimmtes und schließen meist alles andere aus, das auch da ist. Dann sind wir konzentriert auf einen bestimmten Punkt, und verengen die Wahrnehmung für die Dinge, die sich in der gleichen Situation, in dem gleichen Moment auch noch ereignen.

Gebe ich einer Situation den Begriff „Problem“, dann wird die Situation genau das. – Weil ich meine Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Fokus richte und alles, was drumherum sonst noch existiert, nicht mehr wahrnehme. Sobald wir eine Situation bewerten oder beurteilen (und das tun wir ja alle permanent), kippt sie – zu der einen oder anderen Seite. Dann müssen wir ziehen und zerren, um den Ausgleich zu finden, um ins Gleichgewicht zu kommen. Solange wir nicht aufhören, zu ziehen und zu schieben, etwas oder jemanden zurechtzurücken, wird die Energie genau das gleiche tun und dadurch die Situation scheinbar vergrößern. (Oder umgekehrt: etwas wo wir hin wollen scheinbar verkleinern.) Dann sind wir aus der Balance gekippt und schauen verzerrt in die Welt.

Wenn wir aber die Konzentration auf etwas bestimmtes loslassen, und hin gehen zu einer wahrnehmenden Zentrierung, und bei uns ankommen, dann öffnet sich unser System dem Leben. Dann hören wir auf, das Leben zu „verbiegen“, und nehmen es in uns auf, heißen es willkommen… (Ines Otto, 22.8.2020)